Service- und Vernetzungsstelle
für Gleichstellungsbeauftragte in Rheinland-Pfalz

7,4 Millionen Minijobber*innen in Deutschland – Frauen mit 4,3 Millionen in der Mehrzahl

Der DGB teilt mit, dass es in Deutschland rund 7,4 Millionen geringfügig Beschäftigte im Gewerbe und in Privathaushalten gibt. Über die Hälfte von ihnen seien Frauen. Der DGB stützt sich auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, die sich auf „Stand Juni 2021“ beziehen. Demnach setzt(e) sich die Gesamtzahl von 7.408.027 Minijobber/innen aus 3.134.490 männlichen und 4.273.537 weiblichen geringfügig Beschäftigten zusammen. Ausschließlich in Minijobs beschäftigt seien zu diesem Termin 1.753.598 Männer und 2.608.773 Frauengewesen. Der DGB fordert weiterhin die Sozialversicherungspflicht, auch der geringfügigen Beschäftigung, ab der ersten Arbeitsstunde.
Quelle: fpd 805

Adé Klischee – Girls’Day und Boys’Day findet 2022 wieder überwiegend in Präsenz statt

Für den heutigen (28.04.2022) bundesweiten Girls’Day und Boys’Day 2022 haben sich rund 130.000 Schülerinnen und Schüler angemeldet. Dieser wird wieder überwiegend live und in Präsenz stattfinden. Der Aktionstag bietet Mädchen und Jungen Einblicke in Tätigkeiten, die sie für die eigene Berufsauswahl meist nicht in Betracht ziehen. Am diesjährigen Girls’Day und Boys’Day können sie dafür zwischen mehr als 11.000 Angeboten in Unternehmen und Institutionen wählen. Für die teilnehmenden Unternehmen und Institutionen bietet der Tag eine gute Möglichkeit, sich zu präsentieren und um den oft dringend benötigten Nachwuchs zu werben.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, Ekin Deligöz:
„Mit dem Girls’Day und dem Boys’Day wollen wir die Perspektive von Mädchen und Jungs bei der Berufswahl ausweiten: Die Aktionstage bieten ihnen die Möglichkeit, praxisnah Berufe kennenzulernen, an die sie vorher vielleicht noch nicht einmal gedacht haben. Das ist ein wichtiger Impuls, um Rollenklischees aufzuweichen. Trotz einer Arbeitswelt im Wandel ist die erste Berufswahl noch immer ausgesprochen prägend für das gesamte Berufsleben. Ich freue mich daher umso mehr, dass der Girls’Day und Boys’Day in diesem Jahr fast vollständig live und in Farbe stattfinden können.
Es gibt mehr als 330 duale Ausbildungsberufe in Deutschland. Aber noch immer entscheidet sich mehr als die Hälfte der Mädchen für eine Ausbildung in einem der zehn unter Frauen beliebtesten Berufe – darunter ist kein einziger gewerblich-technischer. Das gilt ähnlich auch für die Jungs: Mehr als die Hälfte von ihnen entscheidet sich für einen der zwanzig bei Männern populärsten Ausbildungsberufe.“

Romy Stühmeier, Leiterin der Bundeskoordinierungsstellen Girls’Day und Boys’Day:
„Wir sind froh, dass die Schülerinnen und Schüler nach zwei Jahren Pandemie endlich auch wieder vor Ort am Girls’Day und Boys’Day teilnehmen können. Es ist gerade in Zeiten des akuten Fachkräftemangels im MINT-Bereich sowie in den Sozialen- und Gesundheitsberufen dringend geboten, die Potenziale aller zu nutzen. Das Schöne an den Aktionstagen ist doch: Es profitieren die Jugendlichen und die Betriebe.“

Weitere Informationen zu den Aktionstagen 2022 finden Sie unter:
www.girls-day.de
www.boys-day.de
www.klischee-frei.de

Quelle: Pressemitteilung des BMFSFJ

Es bleibt dabei: Mädchen wollen Arzthelferin werden, Jungen Automechaniker

Im Berufswahlverhalten junger Frauen und Männer in Deutschland lautet die Neuigkeit, dass es – allen Bemühungen zum Trotz, Mädchen für „Männerberufe“ und Jungen für „Frauenberufe“ zu interessieren und die traditionellen Klischees zu überwinden – bei den überkommenen Gewohnheiten bleibt. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat die „BIBB-Ranglisten der Ausbildungsberufe nach Neuabschlüssen“ unter dem Titel „Medizinische Fachangestellte und Kfz-Mechatroniker auf Platz 1“ veröffentlicht.

Festgestellt wurde:

  • „Erstmals haben Frauen in der dualen Berufsausbildung im Jahr 2021 die meisten neuen Ausbildungsverträge im Beruf der ‚Medizinischen Fachangestellten‘ abgeschlossen. Mit 17.154 neuen Ausbildungsverträgen setzte sich dieser Beruf auf Platz 1 der ‚Rangliste 2021 der Ausbildungsberufe nach Anzahl der Neuabschlüsse – Frauen‘.
  • Insgesamt wurden im Vergleich zum Vorjahr rund 2.000 zusätzliche Ausbildungsverträge abgeschlossen, was einem Plus von über 13 Prozent entspricht.
  • Der langjährige Spitzenreiter ‚Kauffrau für Büromanagement‘ wurde dadurch mit 16.725 neuen Verträgen auf den zweiten Platz verdrängt, dahinter folgen die ‚Zahnmedizinische Fachangestellte‘, die ‚Verkäuferin‘, die ‚Kauffrau im Einzelhandel‘ und die ‚Industriekauffrau‘.
  • Insgesamt haben 2021 in diesen sechs Berufen mehr als 43 Prozent der jungen Frauen einen neuen Ausbildungsvertrag abgeschlossen.
  • Bei den Männern liegt der ‚Kraftfahrzeugmechatroniker‘ weiterhin unangefochten an der Spitze. 19.713 junge Männer haben 2021 einen Ausbildungsvertrag in einem Beruf rund ums Auto abgeschlossen (2020: 19.170, +2,8 Prozent). Zweitstärkster Ausbildungsberuf bei den jungen Männern bleibt der ‚Fachinformatiker‘, gefolgt vom ‚Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik‘ und dem ‚Elektroniker‘, die im Vergleich zum Vorjahr die Plätze tauschten.
  • Es folgen in der Rangliste bei den jungen Männern nahezu gleichauf wie bisher die Ausbildungsberufe ‚Verkäufer‘ und ‚Kaufmann im Einzelhandel‘. Auf diese sechs Berufe entfallen 27,5 Prozent aller zum 30.09.2021 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit Männern.
  • In der Rangliste der Ausbildungsberufe nach Neuabschlüssen insgesamt hat unter den ausbildungsstärksten Berufen der/die ‚Kaufmann/Kauffrau für E-Commerce‘ mit zwölf Plätzen den größten Sprung nach vorne gemacht. 1.887 neue Ausbildungsverträge im 2021 sorgten nach 1.485 Verträgen in 2020 für ein Plus von rund 27 Prozent. Ein Grund für diesen kräftigen Anstieg dürfte der in Coronazeiten stark wachsende Online-Handel sein.“

Weitere Informationen, Tabellen und interaktive Regionalkarten unter: https://www.bibb.de/de/140900.php
Quelle: fpd 800

Lisa Paus übernimmt Amt der Bundesfamilienministerin – Bundespräsident Steinmeier überreicht Ernennungsurkunde

Lisa Paus wurde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ernannt. Am Mittwoch wird sie im Bundestag vor dem Parlament auf ihr neues Amt vereidigt.
Paus ernannte Ekin Deligöz erneut zur Parlamentarischen Staatssekretärin und Sven Lehmann weiterhin zum Parlamentarischen Staatssekretär. Auch Margit Gottstein führt als beamtete Staatssekretärin ihr Amt fort.
Bundesfamilienministerin Lisa Paus: „Ich starte heute voller Freude als Bundesfamilienministerin und gleichzeitig mit viel Respekt vor dem Amt. Als Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend werde ich die vielfältigen Aufgaben aus ganzer Überzeugung anpacken und möchte neue Impulse setzen. Ich brenne für soziale Gerechtigkeit und werde deshalb mit vollem Einsatz die Entwicklung der Kindergrundsicherung vorantreiben und so für ein gutes Leben aller Kindern in diesem Land sorgen, für Gleichstellung streiten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern und den Zusammenhalt der Generationen stärken. „Ich bin davon überzeugt, dass eine starke Demokratie und soziale Gerechtigkeit maßgeblich sind, damit wir Krisen gut bewältigen. Gerade jetzt in Zeiten des Ukraine-Krieges und der anhaltenden Corona-Pandemie, kommt es mehr denn je darauf an, dass wir als Gesellschaft zusammenhalten. Dafür gibt es jede Menge zu tun und ich werde als Familienministerin mit voller Kraft dazu beitragen.
Anne Spiegel hat sich mit großem Engagement für die Bewältigung der Herausforderungen eingesetzt und viele Vorhaben für Frauen und Familien, für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen aus dem Koalitionsvertrag angestoßen. Dafür danke ich ihr sehr.“

Lisa Paus ist studierte Volkswirtin und Politikwissenschaftlerin. Von 1999 bis 2009 war sie Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und wirtschaftspolitische Sprecherin. Seit 2009 ist sie Bundestagsabgeordnete und seitdem durchgehend Mitglied und Obfrau im Finanzausschuss. Im Dezember 2021 übernahm Paus zudem das Amt der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden bei Bündnis 90/ Die Grünen. Als erfahrene Finanzpolitikerin wird Paus unter anderem einen Schwerpunkt auf die Gestaltung der Kindergrundsicherung legen.

Web-Ansicht: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/lisa-paus-uebernimmt-amt-der-bundesfamilienministerin-196218

Mehr Frauen als Männer, mehr Geschiedene als Ledige fürchten um Ihre Alterssicherung

Das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) (Köln) stützt sich auf eine Auswertung von Daten des Sozio-oekonomischen Panels: „Das sinkende Rentenniveau bereitet vielen Menschen Kopfzerbrechen: Knapp 30 Prozent der 18-65-Jährigen in Deutschland machen sich große Sorgen, nicht genügend finanzielle Rücklagen für das Rentenalter zu haben.“ Das Institut berichtet in diesem Zusammenhang weiter, dass bei vielen Deutschen die „Angst vor ihrer finanziellen Zukunft schwerer wiegt als die Sorge um ihre aktuelle wirtschaftliche Situation“. Allerdings seien die Sorgen um die Alterssicherung unterschiedlich verteilt.
Die wesentlichen Ergebnisse der Studie sind vom IW wie folgt zusammengefasst worden:
„Die Sorge, im Alter nicht ausreichend abgesichert zu sein, ist in der deutschen Bevölkerung unterschiedlich verteilt: Eine simultane Betrachtung mehrerer Faktoren zeigt, dass neben der Einkommenssituation auch Geschlecht, Familienstand und Wohnsituation eine wichtige Rolle für die Wahrnehmung der eigenen Vorsorgesituation spielen.
Frauen sorgen sich demnach stärker als Männer und Geschiedene eher als Ledige. Mieter äußern im Vergleich zu Wohneigentümern häufiger große Sorgen über die Absicherung im Rentenalter. Schließlich sorgen sich Personen mit niedrigem Einkommen mit höherer Wahrscheinlichkeit um die finanzielle Absicherung im Alter als Personen, die eine bessere Position in der Einkommensverteilung einnehmen. Besonders hoch ist die Besorgnis bei Menschen im Alter zwischen 35 und 64 Jahren im unteren Einkommensdrittel: Mit rund 35 Prozent liegt ihr Sorgenniveau deutlich höher als bei jüngeren Vergleichsgruppen. IW-Ökonomin Ruth Schüler: ‚Möglicherweise wird die Notwendigkeit zur Versorge bei Personen mit niedrigem Einkommen zu spät erkannt.‘
Die Angst der Deutschen vor Altersarmut treibt auch die neue Bundesregierung um: In ihrem Koalitionsvertrag hat sich die Ampel-Regierung für eine obligatorische Privatvorsorge mit Abwahlmöglichkeit ausgesprochen. Vor diesem Hintergrund verdeutlicht die IW-Studie, welchen Einfluss die private bzw. betriebliche Altersvorsorge als Schutzfaktoren haben. Dabei zeigt sich: Insbesondere die betriebliche Altersvorsorge wird als wirksame Maßnahme wahrgenommen. Schüler weiter: ‚Gerade bei Personen mit großen Sorgen um ihre Altersabsicherung – nämlich denjenigen mit geringerem Einkommen – sind private und betriebliche Altersvorsorge allerdings unterdurchschnittlich verbreitet.‘ Daher sollte die Bundesregierung vor allem Förderungen für Personen mit hohen Altersarmutsrisiken in den Blick nehmen.“
Die Studie finden Sie unter: https://www.iwkoeln.de/studien/ruth-maria-schueler-determinanten-und-normative-implikationen-534771.html
Quelle: fpd 803

„Abschaffung der Steuerklasse V kann Reform des Ehegattensplittings nicht ersetzen“

Nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bedarf die von der Bundesregierung geplante Reform der Lohnsteuer von Ehepaaren, die die hohe Belastung für Zweitverdienende mindern und damit die Erwerbsbeteiligung von Frauen fördern soll, der Nachbesserung. Eine DIW-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die in Aussicht gestellte Abschaffung der Steuerklassenkombination III und V „grundsätzlich zielführend“ sei, solle aber „von einer umfassenden Reform des Ehegattensplittings flankiert werden“. Denn die Abschaffung der Steuerklasse V könne die Splittingreform nicht ersetzen.
Das DIW hat die steuer- und frauenrechtliche Problematik wie folgt erläutert: „Der Koalitionsvertrag sieht vor, dass die Kombination der Steuerklassen III und V bei Ehepaaren abgeschafft wird. Zugleich soll das sogenannte Faktorverfahren der Kombination IV/IV gestärkt werden. Derzeit sind zumeist Ehefrauen mit deutlich geringerem Einkommen als ihre Partner in Steuerklasse V eingruppiert und tragen damit höhere Steuerbelastungen, als es bei einer Individualbesteuerung der Fall wäre. Im Gegenzug wird der Erstverdienende – zumeist der Ehemann – mit Klasse III steuerlich begünstigt. Steuerklasse IV für beide Partner*innen ließe die Grenz- und Durchschnittsbelastungen für Zweitverdienende sinken und die der Erstverdienenden steigen. ‚Bei einem jährlichen Bruttolohn von 20.000 bis 35.000 Euro würde z.B. eine teilzeitarbeitende Frau beim Übergang in die Steuerklasse IV 200 bis 300 Euro mehr in die Familienkasse einzahlen‘, so DIW-Studienautor Stefan Bach.
Die Option auf das Faktorverfahren bei Steuerklasse IV würde zusätzlich steuermindernd wirken, da dies den Splittingvorteil bei der Lohnsteuer beider Partner*innen berücksichtigt. ‚Dieses Verfahren ist bereits seit langem möglich, wird aber nur wenig genutzt, weil es kaum bekannt ist‘, ergänzt Bach. ‚Es muss aufwändig beantragt und alle zwei Jahre erneuert werden, was viele Paare abschreckt.‘ Die DIW-Autor*innen schlagen einen gemeinsamen Lohnsteuer-Jahresausgleich vor. Das wäre ein großer Schritt in Richtung vorausgefüllte Steuererklärungen (Easy Tax), der auch im Ampel-Koalitionsvertrag erwähnt wird und Millionen Ehepaaren die Steuererklärung ersparen würde.“
Quelle: fpd 803