Service- und Vernetzungsstelle
für Gleichstellungsbeauftragte in Rheinland-Pfalz

Der Bundestag hat sich endlich des Dritten Gleichstellungsberichts angenommen 100 Handlungsempfehlungen

Der Dritte Gleichstellungsbericht der Bundesregierung steht nach Debatte im Bundestagsplenum derzeit im federführenden Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur weiteren Beratung an. Der Bericht befasst sich zentral mit der Frage, welche Weichenstellungen für eine geschlechtergerechte Gestaltung der digitalen Wirtschaft erforderlich sein werden. Er fordert weiter, dass Frauen in Deutschland künftig stärker von den Chancen profitieren können, die sich aus der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft ergeben. Dem Bericht zufolge herrscht hier jedoch erheblicher Nachholbedarf. Es heißt dort, dass nur 16 Prozent der Frauen bislang in der Digitalbranche arbeiten. Die Autor*innen des Sachverständigen-Gutachtens haben mehr als 100 konkrete Handlungsempfehlungen an die Politik in Bund, Ländern und Gemeinden sowie an die Zivilgesellschaft gerichtet, um die Defizite zu beseitigen.
Im Bericht der Sachverständigen heißt es, dass aus gleichstellungspolitischer Sicht weiter Hürden und Barrieren abgebaut werden müssten, die „Geschlechterungleichheiten“ verursachen. Wörtlich: „Strukturelle Rahmenbedingungen, aber auch gesellschaftliche Werte und Normen sowie Schutzmechanismen müssen so gestaltet werden, dass Menschen, unabhängig vom Geschlecht, ihre Ziele und Wünsche in jeder Lebensphase und in allen gesellschaftlichen Transformationsprozessen besser verwirklichen können. Dies gilt auch für die Digitalisierung.“
Schwerpunkte
In seinen „Handlungsempfehlungen“ beschreibt der Bericht die Wege, wie die Ziele der Gleichstellung von Frauen und Männern im Digitalisierungszeitalter erreicht werden können. Dabei geht es um „geschlechtergerechte Technikentwicklung, den Zugang zu digitalisierungsbezogenen Kompetenzen unabhängig vom Geschlecht, den Zugang zu digitalisierungsbezogenen Ressourcen unabhängig vom Geschlecht, die Entgeltgleichheit und eigenständige wirtschaftliche Sicherung durch gleichberechtigte Integration in die digitalisierte Wirtschaft, die Auflösung von Geschlechterstereotypien in der digitalisierten Wirtschaft, geschlechtergerechte Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit in der Digitalisierung der Gesellschaft, den Abbau von Diskriminierung und Schutz vor geschlechtsbezogener Gewalt in analogen und digitalen Räumen und die geschlechtergerechte Gestaltungsmacht in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.“
Quelle: fpd 805

Viele Führungskräfte mit Skepsis gegenüber Frauenquoten und gegenderter Sprache

Eine Befragung von mehr als 1000 Führungskräften deutscher Unternehmen durch die Bertelsmann Stiftung und das Institut der Unternehmensführung der Universität Witten/Herdeckeaus aus dem Jahr 2021 ergab nach Auswertung, „dass etwa 30 bis 40 Prozent der befragten Führungskräfte im eigenen Unternehmen keine Vorteile sehen, wenn es um die Einführung verbindlicher Regeln wie etwa Frauenquoten oder gender-gerechte Sprache geht“. Weiter: „Fragt man umgekehrt, wo die Unternehmen beim Thema Gleichstellung bereits stehen, so wird deutlich, dass die Führungskräfte – männlich wie weiblich – den Eindruck haben, dass es in ihren eigenen Unternehmen kaum Probleme gibt.“ Die Stiftung, die sich auf eine „gesonderte Auswertung dieser Daten“ stützt, vermerkt dazu: „Ein gutes Drittel der Führungskräfte scheint den Eindruck zu haben, dass von außen vorgegebenen Regeln oder gar Gesetze nicht nötig oder nicht zielführend sind. Damit muss nicht unbedingt eine frauenfeindliche Haltung zum Ausdruck kommen, sondern eher eine Skepsis gegenüber Regulation von außen und damit verbunden womöglich Widerstand seitens der Führungskräfte bei der Umsetzung verpflichtender Regeln.“
Quelle: fpd 805

„Voraussetzung zur Erfüllung der lstanbul-Konvention ist die Gleichstellung“

Unter dem Motto „lstanbul-Konvention – Auftrag zum Abbau der Geschlechterhierarchie“ hatten das Frauenzentrum Mainz und das Frauenbüro von Mainz mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung zu einem Werkstattgespräch in die Landeshauptstadt eingeladen. Eine ausführliche Dokumentation zur Veranstaltung liegt jetzt vor. Diese definiert die Ursachen von Gewalt an Frauen als „Ausdruck historisch gewachsener ungleicher Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern“. Folglich, so heißt es weiter, sei „der Einsatz gegen Gewalt an Frauen nicht denkbar ohne die Bekämpfung ihrer Ursache“. Eine wirksame Frauen- und Gleichstellungspolitik werde damit zur „Voraussetzung zur Erfüllung der lstanbul-Konvention“ und „eine tragende Säule dieses Menschenrechtsvertrags“. Dies gelte „europaweit, landesweit, regional und eben auch für Mainz“. Wichtige Schritte auf dem Weg zur Überwindung des „alltäglichen Sexismus“ seien die „noch bessere Vernetzung der frauen- und gleichstellungspolitischen Akteur:innen“ und die „Gewinnung neuer Bündnispartner“, heißt es in der Dokumentation. „An alle (mächtigen) Männer“ wurde appelliert, sich der Konvention und dem Ziel einer „Gesellschaft frei von Sexismus und jeglicher Form der Diskriminierung anzuschließen.“
Die Dokumentation finden Sie hier: https://www.mainz.de/medien/internet/downloads/Dokumentation_Werkstattgespraech_4_Maerz_2022.pdf
Quelle: fpd 805

Mehr junge Menschen, vor allem Frauen, wählen den Beruf der Pflegefachkraft

Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass zum Jahresende 2021 in Deutschland rund 105.000 Menschen in einer Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann waren. Wie Destatis weiter ausführte, haben „im Jahr 2021 61.458 Auszubildende eine Ausbildung zu diesem Beruf begonnen. Das waren 7 Prozent mehr als 2020. Damals hatten sich 57.294 Auszubildende für diesen Beruf entschieden“. Das Bundesamt wörtlich: „Auch nach zwei Jahren zeigt sich, dass die neue Ausbildung zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann, ebenso wie die Vorläufer-Ausbildungen, vor allem für Frauen interessant ist: Fast drei Viertel der Auszubildenden, die 2021 eine Ausbildung angetreten haben, sind weiblich (74 Prozent bzw. 45.750).“
Quelle: fpd 805

Publikation „FRAUEN VERDIENEN MEHR! Der Gender Pay Gap in Rheinland-Pfalz – Ursachen und Handlungsfelder“

Das Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz hat in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz, um nachhaltig den Abbau geschlechtsspezifischer Entgeltungleichheit in Rheinland-Pfalz voranzutreiben, die Publikation „FRAUEN VERDIENEN MEHR! Der Gender Pay Gap in Rheinland-Pfalz – Ursachen und Handlungsfelder“ erstellt.
Es ist die erste umfangreiche statistische Analyse, die alle Aspekte des Gender Pay Gap in Rheinland-Pfalz zusammen getragen und beleuchtet hat. Die Publikation umfasst zwei Teile: Teil A setzt sich mit dem Gender Pay Gap aus einer frauenpolitischen Perspektive auseinander, geht seinen Ursachen auf den Grund und zeigt Handlungsansätze auf. Teil B bietet umfangreiches Zahlenmaterial des Statistischen Landesamtes zum Gender Pay Gap in Rheinland-Pfalz.

Die Publikation ist auf der Website des Ministeriums unter dem folgenden Link abrufbar:
https://mffki.rlp.de/fileadmin/MFFJIV/Publikationen/Frauen/GPG-Analyse.pdf

84 Prozent der aus der Ukraine Geflüchteten sind Frauen, 58 Prozent haben Kinder dabei

Eine systematische Befragung, die im Auftrag des Bundesinnenministeriums an Geflüchteten aus der Ukraine stattfand, hat ergeben: „Bei den befragten Kriegsgeflüchteten aus der Ukraine handelt es sich ganz überwiegend um Frauen (84 Prozent), von denen 58 Prozent gemeinsam mit ihren Kindern geflüchtet sind, lediglich 17 Prozent sind allein ohne Begleitung gekommen (überwiegend Ältere). Das Durchschnittsalter der befragten Geflüchteten ist 38,2 Jahre. Die häufigste Fluchtroute führte über Polen (65 Prozent), gefolgt von den übrigen Anrainerstaaten der Ukraine mit ähnlichen Anteilen. Für 82 Prozent der Befragten stand Deutschland als Fluchtziel im Vordergrund.“
Quelle: fpd 805