„Deutschland auf dem letzten Platz bei der Besetzung von Führungspositionen“

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„Deutschland auf dem letzten Platz bei der Besetzung von Führungspositionen“

29.07.2020

Nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist „die deutsche Geschlechterquote wenig ambitioniert“. In einer aktuellen Stellungnahme des DGB heißt es: „Seit 2015 gilt in Deutschland eine Geschlechterquote für die Besetzung von Führungsgremien in Unternehmen. Im Vergleich mit anderen Ländern in Europa, die solche Regeln geschaffen haben, belegt Deutschland den letzten Platz.“ Der DGB stützt sich bei seiner Kritik auf eine Analyse des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (IMU) in der Hans-Böckler-Stiftung, bei der verschiedene Faktoren – u.a. Reichweite, Wirkung und Sanktionsmöglichkeiten der Quote – miteinander verglichen worden seien.
Es heißt wörtlich: „‚Die deutsche Regelung erfüllt in der vorliegenden Vergleichsanalyse den geringsten Qualitätsstandard einer gesetzlichen Geschlechterquote (1,85 von 5 Punkten)“, konstatieren die IMU-Wissenschaftler*innen. Kein anderes Land mit einer Geschlechterquote erfasst so wenig Unternehmenstypen. Bisher gelten die Regeln nur für börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen.
Positiver Spitzenreiter ist Norwegen. Dort wurden die Vorgaben bereits 2003 eingeführt. Das Gesetz, das die Repräsentanz beider Geschlechter in Höhe von 40 % vorschreibt, gilt für den Verwaltungsrat sowohl in allen börsennotierten Unternehmen als auch in Unternehmen im Staatsbesitz. Die Sanktionen, die bis zur Auflösung des Unternehmens gehen können, sind dabei besonders scharf. Die IMU-Expertenraten Deutschland deshalb, die Regelungen auszuwerten.“
Der DGB vermerkt dazu: „Auch der DGB fordert eine Verschärfung: Nur mit glasklaren gesetzlichen Vorgaben kommen wir vorwärts, wie andere Länder es vormachen. 70 %t der Unternehmen geben sich hierzulande mit aberwitzigen Begründungen die ‚Zielgröße‘ Null. Null Prozent Frauen in Vorstandspositionen – diese Fälle müssen mit empfindlichen Geldstrafen sanktioniert werden. Auch dies gehört in die Novelle des Quotengesetzes“, fordert die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack.

Quelle: fpd 762