Aufruf von 20 bundesweit aktiven Frauenverbänden: „Wann, wenn nicht jetzt!“

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Aufruf von 20 bundesweit aktiven Frauenverbänden: „Wann, wenn nicht jetzt!“

04.06.2020

Mit einem gemeinsamen Aufruf „Wann, wenn nicht jetzt!“ haben sich zwanzig bundesweit aktive Frauenverbände und Gewerkschaften an Bundesregierung und Arbeitgeber mit Forderungen zur Gleichstellungspolitik gewandt. So heißt es: „Wann, wenn nicht jetzt“ werde deutlich, „welches die Jobs sind, die das Überleben sichern und die unter Bedingungen der Corona-Pandemie als systemrelevant gelten“. Es seien die sogenannten „Frauenberufe“, die in Deutschland schlecht bezahlt und häufig unter schwierigen Arbeitsbedingungen erledigt würden. „Wann, wenn nicht jetzt“, werde deutlich, dass die Minijobs, in denen überwiegend Frauen arbeiteten, in die Armut führen, zumal diese Frauen kein Kurzarbeitergeld erhielten, weil sie nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen.

Der Aufruf macht auch aufmerksam auf die Gefährdung der Frauen durch häusliche Gewalt, ihre doppelte Belastung durch Beruf und Care-Arbeit in den Familien sowie auf die besonderen Probleme von alleinerziehenden und geflüchteten Frauen.

Forderungen an die Politik:

  • „die finanzielle Aufwertung der Berufe in den Bereichen Pflege, Gesundheitswesen, Erziehung und Einzelhandel und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Dem Applaus und den Ankündigungen von Sonderboni müssen endlich eine ordentliche Tarifbindung und eine Erhöhung der Einkommen folgen.
  • die Abschaffung der Sonderregelungen für geringfügige Beschäftigung.
  • bundesweit einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen und die Gewährleistung einer bedarfsgerechten und flächendeckenden Versorgung mit Beratungsstellen und Gewaltschutzeinrichtungen sowie eine Finanzierung, die allen Frauen und Kindern Schutz, Unterstützung und Beratung selbstkostenfrei ermöglicht.
  • Steuer-, Sozial- und Familienleistungen so aufeinander abzustimmen, dass sie zu einer tatsächlichen finanziellen Verbesserung für Frauen, insbesondere für Alleinerziehende führen.
  • Rahmenbedingungen und Arbeitszeiten zu schaffen, die es Müttern und Vätern ermöglicht, sich die Care-Arbeit gerecht zu teilen.
  • einen effektiven Gewaltschutz und unabhängige Beschwerdesysteme für geflüchtete Frauen und Männer in allen Gemeinschaftsunterkünften.
  • die Ausstattung von Gemeinschaftsunterkünften mit einem stabilen WLAN, um Teilhabe an Bildung und Beratungsangeboten sicher zu stellen.“

Quelle: fpd 758