Service- und Vernetzungsstelle
für Gleichstellungsbeauftragte in Rheinland-Pfalz

Frühe Weihnachtsgrüße – Weihnachtspause

Liebe Gleichstellungsbeauftragte,

bevor das Jahr zu Ende geht, möchten wir uns ganz herzlich bei Ihnen für die Zusammenarbeit bedanken.
Wir wünschen allen Gleichstellungsbeauftragten eine schöne Adventszeit sowie ein ruhiges und erholsames Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr 2026.

Das Team der Service- und Vernetzungsstelle macht Weihnachtspause. Sie erreichen uns wieder ab Montag, 05.01.2027.

Foto: adobestock.com – Floydine

Gewalt gegen Frauen und Mädchen nimmt weiter zu – Häusliche Gewalt erreicht neuen Höchststand

Die Zahl der gegen Frauen und Mädchen gerichteten Straftaten ist 2024 erneut gestiegen. Das zeigen die heute vom Bundesinnenministerium, dem Familienministerium und dem Bundeskriminalamt veröffentlichten Bundeslagebilder zu geschlechtsspezifischer Gewalt und häuslicher Gewalt.
In der Polizeilichen Kriminalstatistik wurden 2024 insgesamt 53.451 weibliche Opfer von Sexualdelikten erfasst – ein Plus von 2,1 Prozent. Fast die Hälfte der Betroffenen war minderjährig. Auch digitale Gewalt nimmt weiter zu: 18.224 Frauen und Mädchen wurden online bedroht, gestalkt oder belästigt, ein Anstieg um sechs Prozent.
Häusliche Gewalt erreichte mit 265.942 erfassten Opfern einen neuen Höchststand. Rund 70 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Besonders häufig handelt es sich um Partnerschaftsgewalt: 171.069 Menschen waren 2024 betroffen, davon rund 80 Prozent weiblich. 132 Frauen und 24 Männer wurden durch ihren (Ex-)Partner getötet. Auch Innerfamiliäre Gewalt stieg deutlich an (+7,3 %).
Die Behörden verweisen zudem auf ein hohes Dunkelfeld: Viele Betroffene – insbesondere bei Partnerschaftsgewalt – erstatten aus Angst oder Scham keine Anzeige. Erste Ergebnisse der Opferbefragung „LeSuBiA“ zeigen, dass die tatsächliche Belastung weit höher liegen dürfte.

Quelle: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/pressemitteilungen/straftaten-gegen-frauen-und-maedchen-nehmen-weiter-zu-haeusliche-gewalt-auf-hoechststand-275492

SINUS-Studie: Nur jede*r Zweite in Deutschland erreicht wirtschaftliche Eigenständigkeit

Eine neue, vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) geförderte Studie des SINUS-Instituts zeigt: Zwar streben fast alle Menschen in Deutschland wirtschaftliche Eigenständigkeit an, doch nur rund die Hälfte erreicht dieses Ziel auch tatsächlich.
Unter wirtschaftlicher Eigenständigkeit versteht die Studie die Fähigkeit, den eigenen Lebensunterhalt dauerhaft und unabhängig sichern zu können – auch bei Veränderungen wie Familiengründung, Erwerbsunterbrechungen oder im Ruhestand.
Besonders selten fühlen sich bestimmte Gruppen wirtschaftlich unabhängig: Frauen mit kleinen Kindern, Alleinerziehende sowie Personen mit geringer Qualifikation oder niedrigem Einkommen. Bei Müttern von Kindern unter sechs Jahren spielt vor allem Teilzeitarbeit eine zentrale Rolle, die häufig zu einem geringeren Einkommen führt.
Um die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu verringern, sieht die Studie einen klaren Handlungsbedarf. Voraussetzung für mehr wirtschaftliche Eigenständigkeit seien insbesondere faire und flexible Arbeitsbedingungen, eine verlässliche Kinderbetreuung sowie eine bessere ökonomische Bildung.

Quelle: https://www.sinus-institut.de/media-center/studien/bmbfsfj-wirtschaftliche-eigenstaendigkeit
Studie: „Auf eigenen Füßen stehen“

Bundesstiftung Gleichstellung lädt zum Gleichstellungs-Lunch zum Thema „Feministische Führungskultur“ ein

Die Bundesstiftung Gleichstellung setzt ihre digitale Veranstaltungsreihe „Gleichstellungs-Lunch“ fort und lädt am 19. November 2025 um 13:00 Uhr zum nächsten Termin ein. Im Mittelpunkt steht dieses Mal das Thema „Feministische Führungskultur – ein Weg zur geschlechtergerechteren Organisationsentwicklung“.

Arbeitswelten und Organisationsstrukturen sind noch immer von geschlechterstereotypen Vorstellungen von Führung, Macht und Leistung geprägt. Eine feministische Führungskultur soll hier ansetzen: Sie bietet ein Zukunftsmodell für diskriminierungssensible Arbeitsumgebungen, fördert Geschlechtergerechtigkeit in Organisationen und unterstützt damit langfristig gesellschaftliche Veränderungsprozesse.

Impulse dazu gibt Sarah Clasen aus dem Bereich Wissen, Beratung, Innovation der Bundesstiftung Gleichstellung. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich bereits im Vorfeld durch die Selbstlernreise „Feministische Führungskultur“ mit dem Thema vertraut machen.

Der digitale Gleichstellungs-Lunch informiert alle 14 Tage kompakt über aktuelle Entwicklungen der Gleichstellungspolitik und -forschung. In nur 25 Minuten erhalten Interessierte Denkanstöße und praktische Informationen für Arbeitsalltag, Ehrenamt, Ausbildung oder Studium. Mitarbeitende der Stiftung geben Einblicke in Studien, politische Konzepte sowie relevante Gesetzesvorhaben.

Aufgrund des großen Interesses findet das Format derzeit über Zoom statt. Die Teilnahme ist sowohl über das Programm als auch über die meisten gängigen Internetbrowser möglich.

Möglichkeit zur Anmeldung und „Selbstlernreise Feministische Führungskultur“.

Hybride Fachveranstaltung: „Die Scham muss die Seite wechseln – aber wie? Von Scham, Schuld und Schande im Kontext sexualisierter Gewalt.“

Die Referentin für „Gewalt gegen Frauen* und Mädchen*“, Silke Ladewig-Makosch, der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau lädt zu einer hybriden Fachveranstaltung unter dem Titel „Die Scham muss die Seite wechseln – aber wie? Von Scham, Schuld und Schande im Kontext sexualisierter Gewalt.“ ein.

Die kostenlosen Fachveranstaltung findet am Mittwoch, den 17.12.2025 von 10-15 Uhr im forum k, Sankt-Pauli-Deich 24, in Bremen statt und wird ebenfalls hybrid übertragen.

„Die Scham muss die Seite wechseln!“ Dieser Satz von Gisèle Pelicot ging um die Welt und wurde anscheinend intuitiv verstanden. Dass Scham (oder auch Schande, französisch: honte) bei Betroffenen von sexualisierter Gewalt vorhanden ist, bei Täter*innen aber nicht oder nicht ausreichend, scheint „normal“ zu sein. Woran aber liegt das? Ist Scham „natürlich“? Angeboren? Über Zeiten, Kulturen und Szenen hinweg? Oder doch sozialisiert, konstruiert, erlernt? Nur intersektional verstehbar? Warum schämen sich die Täter*innen nicht – oder tun sie es doch? Wie politisch ist Scham und wie politisch ist sexualisierte Gewalt? Sollten vorhandene oder fehlende Schamgefühle nicht soziopolitisch statt individualistisch betrachtet werden? Und wenn dies nicht geschieht, was muss sich dann in der Gesellschaft, der Politik und dem Hilfesystem verändern?

In der Veranstaltung werden diese und andere Fragen erörtert im Gespräch mit:
Dr. Monika Hauser, Nora Kellner, Dr. Jonas Kneer, Laura Leupi, Loraine Dabaly Rehm, Lilian Schwerdtner, Dr. Laura Wolters, Sadaf Zahedi

Anmeldungen unter: https://eveeno.com/233424818

Das Anmeldeformular ist leider nicht barrierefrei, Sie können sich jedoch auch direkt per E-Mail bei Silke Ladewig-Makosch anmelden: silke.ladewig-makosch[at]frauen.bremen.de


Zu den Personen:

Dr. Monika Hauser
Dr. Monika Hauser ist Fachärztin für Gynäkologie und feministische Aktivistin. 1993 gründete sie die Frauenrechtsorganisation medica mondiale e.V., die sich seit über 30 Jahren gegen sexualisierte Kriegsgewalt einsetzt und Machtverhältnisse bekämpft, die Frauen unterdrücken und verletzen. Dabei unterstützt medica mondiale Überlebende auf vielfältige Weise. Für ihre Initiative erhielt Hauser zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, u.a. den als Alternativen Nobelpreis bekannten Right Livelihood Award 2008.

Nora Kellner
Nora Kellner hat Politikwissenschaft und Soziologie studiert und absolviert ihren Master in Gender und Queer Studies. Aufgerüttelt durch persönliche Erfahrungen zeigt sie in ihrem ersten Buch „OpferMacht. Klartext reden über sexualisierte Gewalt“, wie sich sexualisierte Gewalt auf das Leben von Betroffenen auswirkt. In der Analyse ihrer eigenen Geschichte nimmt sie immer wieder Bezug auf gesellschaftliche Debatten und verdeutlicht die strukturellen Dimensionen sexualisierter Gewalt.

Dr. Jonas Kneer
Dr. Dipl.-Psych. Jonas Kneer ist Psychologischer Psychotherapeut und Sexualtherapeut (DGSMP) und arbeitet beim Präventionsprojekt „I can change“. Das Forschungs- und Behandlungsprojekt zur Prävention und Behandlung dysregulierter Sexualität ist ein diagnostisches und therapeutisches Angebot. Es soll Menschen unterstützen, die unter sexuellen Impulsen leiden und Hilfe suchen, weil sie fürchten, diese nicht mehr kontrollieren zu können.

Laura Leupi
Laura Leupi arbeitet für verschiedene Theater und schreibt Prosa- und Performancetexte. Zuletzt war Laura Leupi Hausautor*in am Theater Basel. Lauras Debüt „Das Alphabet der sexualisierten Gewalt“ wurde beim Bachmannpreis 2023 mit dem 3sat-Preis und 2025 mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.

Loraine Dabaly Rehm
Loraine Dabaly Rehm ist eine erfahrene Pädagogin mit über 20 Jahren Praxis in der Arbeit. Ihr Fachwissen verbindet tiefgehende pädagogische Expertise mit praxisnaher Projektarbeit, engagiertem Ehrenamt und gesellschaftspolitischem Aktivismus. Als Pan-Afrikanistin bringt sie zudem einen kritischen, intersektionalen Blick auf Strukturen und Bildungschancen ein.

Lilian Schwerdtner
Lilian Schwerdtner hat Philosophie, Soziologie und jeweils noch ein bisschen Gender Studies, Politikwissenschaft und Psychologie in Münster, Wien, Berlin und Vilnius studiert. Seit #MeToo beschäftigt sie sich theoretisch und aktivistisch mit sexualisierter Gewalt und ist Teil des Berliner Kollektivs Actions against Rape Culture. Seit 2020 produziert das Kollektiv den Podcast Not your Opfer, mit dem Betroffene unterstützt und Empowermentstrategien geteilt werden sollen.

Dr. Laura Wolters
Dr. phil. Laura Wolters ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet in der Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit am Hamburger Institut für Sozialforschung. Sie studierte Philosophie und Politikwissenschaft an den Universitäten Osnabrück und Bremen. In ihrer Dissertation „Vom Antun und Erleiden“ (Hamburg 2022) hat sie eine soziologische Perspektive auf gemeinschaftlich begangene sexuelle Gewalt ausgearbeitet. Inzwischen arbeitet sie an einem Forschungsprojekt zur Geistesarbeit innerhalb der radikalen Rechten.

Sadaf Zahedi
Sadaf Zahedi ist eine afghanisch-deutsche Schriftstellerin, Aktivistin und Poetry-Slammerin. Ihre künstlerische und politische Arbeit ist geprägt von den Themen Flucht, Identitätssuche und dem Kampf um persönliche Freiheit. Sie engagiert sich insbesondere für die Rechte von Frauen und Mädchen sowie für den Zugang zu Bildung unabhängig von Schrift und Büchern. Zahedi ist Gründerin des Vereins „Bildung ohne Bücher“

CESI FEMM fordert schnelle Umsetzung der EU-Vereinbarkeitsrichtlinie

Deutschland hinkt bei der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben weiter hinterher. Obwohl die Vorgaben bereits bis August 2022 hätten umgesetzt sein müssen, lässt die Bundesregierung weiterhin auf sich warten.
„Deutschland sucht seit Jahren nach Ausflüchten“, kritisierte Synnöve Nüchter, Vorsitzende der CESI FEMM. Sie betonte, die Regierung sei rechtlich verpflichtet, die Mindeststandards endlich umzusetzen – darunter die zehntägige bezahlte Freistellung für das zweite Elternteil nach der Geburt. Diese sei ein zentraler Baustein echter Gleichstellung, so Nüchter.
Die CESI FEMM warnt, dass mangelnde Vereinbarkeit nicht nur Familien, sondern auch Wirtschaft und Gesellschaft schwächt. Fehlende Unterstützungsstrukturen führten dazu, dass viele gut ausgebildete Frauen auf Kinder verzichten. „Familienpolitik ist Zukunftssicherung, Standort- und Wirtschaftspolitik zugleich“, mahnte Nüchter.

CESI FEMM
Die FEMM ist die Kommission für Frauenrechte und Geschlechtergleichheit innerhalb des europäischen Verbands unabhängiger Gewerkschaften (CESI).

Quelle: www.dbb-frauen.de/artikel/familien-brauchen-vereinbarkeit-jetzt-nicht-2027.html