Entgelt-gleichheit

Entgeltgleichheit

 


Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

Die Tatsache, dass Frauen für die gleiche oder eine gleichwertige Tätigkeit weniger Geld bekommen als Männer ist mittlerweile gemeinhin bekannt. Die Forderung „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist seit jeher ein Ziel, für das sich die Frauenbewegung stark macht. Auch die Politik setzt sich die Überwindung der Entgeltungleichheit regelmäßig zum Ziel. Viel erreicht wurde auf diesem Sektor allerdings noch nicht. In Deutschland liegt der Verdienstunterschied zwischen Frauen- und Männergehältern, der sog. Gender Pay Gap, seit Jahren zwischen 22 und 23% (Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung 099 vom 16.03.2015). Innerhalb der EU ist nur in Österreich (23%) und in Estland (30%) die Kluft noch größer.

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Ursachen für geschlechtsspezifische Lohnunterschiede

Ursachen für geschlechtsspezifische Lohnunterschiede können sein:

  • die hohe Teilzeitquote deutscher Frauen
  • die Unterrepräsentanz von Frauen in gut dotierten Führungspositionen
  • die Arbeit von Frauen vorwiegend in kleineren Unternehmen und generell schlechter bezahlten Branchen
  • das Fortwirken tradierter Geschlechtsrollenklischees bei der Beurteilung der Leistung und der Tätigkeit von Frauen (zwd 245, 2007, S. 16)
  • die immer noch unzureichenden Möglichkeiten, Familie und Beruf tatsächlich zu vereinbaren sowie
  • unmittelbare Diskriminierung von Frauen, die weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen bekommen, obwohl sie in derselben Firma dieselbe Tätigkeit ausüben.

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Entgeltungleichheit im öffentlichen Dienst?

Diese direkte Form der Lohndiskriminierung gibt es im öffentlichen Dienst nicht. Eine Erzieherin bekommt dieselbe Vergütung wie ein Erzieher, eine Ingenieurin ist gleich eingruppiert wie ein Ingenieur. Dennoch haben verschiedene Gutachten der Gewerkschaft ÖTV, später ver.di, belegt, dass die bis dato immer noch gültige Entgeltordnung des BAT frauendiskriminierende Elemente birgt. So sind die frauendominierten Tätigkeiten in der Altenpflege oder im Bibliothekswesen niedriger eingruppiert als Tätigkeiten im technischen Bereich. Beispielsweise wird man als Diplom-BibliothekarIn (FH) in IVb oder IVa eingruppiert (jetzt E 9 oder E 10). Im Vergleich dazu erhält einE IngenieurIn (FH) IVa mit Bewährungsaufstieg zu III (E 11).

Der Anspruch auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit bezieht sich übrigens nicht nur auf die Grundvergütung, sondern auch auf Zuwendungen, Gratifikationen, Betriebsrenten, Sachleistungen (z.B. Nutzung eines Dienstwagens) und Leistungsprämien bzw. -zulagen. Gerade durch die Einführung von Leistungsentgelten gem. § 18 TVöD ist durch frauendiskriminierende Verteilungsregelungen und -kriterien kann es auch im öffentlichen Dienst zu größeren geschlechtsspezifischen Entgeltunterschieden kommen.

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Was tut die Politik?

Der Rechtsanspruch auf gleiches Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit ergibt sich aus Artikel 3 Grundgesetz und aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), in dem verschiedene EU-Vorschriften in nationales Recht umgesetzt wurden.

In Deutschland wird seitens des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend versucht, die Wirtschaft zur Nutzung des Programms Logib-D auf freiwilliger Basis zu überzeugen. Dieses Programm ermittelt vorhandene Entgeltunterschiede im jeweiligen Betrieb. Die Bundesregierung plant noch in dieser Legislaturperiode ein Gesetz zur Entgeltgleichheit auf den Weg zu bringen, das zum einen das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit“ durchsetzen und zum anderen für mehr Transparenz sorgen soll. So soll das geplante Gesetz Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einen individuellen Auskunftsanspruch einräumen. Bestehende Entgeltungleichheit abzubauen soll auch im Verantwortungsbereich der Unternehmen liegen. Unternehmen sollen demnach zukünftig mittels verbindlicher Verfahren Maßnahmen gegen nachgewiesene Entgeltdiskriminierung ergreifen. Ein Musterverfahren, das momentan erarbeitet wird, soll diesen Prozess und die Umsetzung des Gesetzes vereinfachen.

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Was kann ich als Gleichstellungsbeauftragte tun?

Alljährlich findet im März der Equal Pay Day statt. Das Datum variiert. Der Tag wird dann begangen, wenn Frauen den gleichen Durchschnittslohn wie Männer am 31. Dezember des Vorjahres erwirtschaftet haben. Hier können Sie mit verschiedenen Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen, Filmen oder anderen Aktionen auf das Thema Entgeltungleichheit aufmerksam machen. Außerdem können Sie natürlich auch innerhalb Ihrer Tätigkeit bei Stellenbewertungen oder in der betrieblichen Kommission zum Leistungsentgelt in Richtung Entgeltgleichheit wirken.

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Weiterführende Links und Arbeitshilfen

 

Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Thema inkl. der Möglichkeit, verschiedene Publikationen herunter zu laden.

Die Seite bietet eine Darstellung des Problems und stellt alle Materialien, die von ver.di erarbeitet wurden, zum Download zur Verfügung.

Bietet einen Gehaltscheck, einen Brutto-Netto-Rechner sowie verschiedene Materialien.

Seite der EU, auf der die europäischen Rechtsgrundlagen der Entgeltgleichheit dargestellt sind.

Auf der Seite finden Sie aktuelle Statistiken zum Gender Pay Gap, zu Veranstaltungen und weitere Informationen rund um das Thema Entgeltgleichheit.

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  • Die Autorin

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    Autorin dieses Beitrags ist
    Simone Walka
    , ehem. Gleichstellungsbeauftragte der Stadtverwaltung Worms, Unternehmensberaterin für
    Non-Profit-Organisationen und Behörden, Neustadt/Weinstraße.