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BMBF-Broschüre "Kinder - Wunsch und Wirklichkeit in der Wissenschaft"

Eintrag vom 12.08.2010

 

Rund drei Viertel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an deutschen Hochschulen sind kinderlos, Männer fast genau so häufig wie Frauen. Dabei hätten über 70 Prozent der Kinderlosen gerne Kinder. Woran die dennoch steigende Kinderlosigkeit liegt, wurde nun von zwei Forschungsprojekten untersucht.
Die Ergebnisse der beiden Projekte "Balancierung von Wissenschaft und Elternschaft" des Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung (CEWS) sowie "Wissen- oder Elternschaft? Kinderlosigkeit des wissenschaftlichen Personals an Hochschulen in Deutschland" der TU Dortmund wurden im Oktober 2009 auf einer Tagung vorgestellt und mit weiteren Experten diskutiert. Nun liegt die vom BMBF veröffentlichte Broschüre "Kinder - Wunsch und Wirklichkeit in der Wissenschaft" vor, in die die Ergebnisse der Projekte und der Tagung Eingang fanden. Hier werden einführende Informationen in die Problematik gegeben sowie grundlegende Forderungen an die Verantwortlichen der Hochschulen und der Politik formuliert.

Als Hauptgründe für Kinderlosigkeit werden anspruchsvolle Qualifizierungszeiten und vor allem befristete Beschäftigungsverhältnisse mit den daraus resultierenden finanziellen und persönlichen Unsicherheiten genannt. Ein weiteres großes Problem ist der sehr hohe Verfügbarkeitsanspruch, den der Wissenschaftssektor an seine Mitarbeitenden stellt. Dieser macht es schwierig, zusätzlich Zeit und Kraft für Elternschaft und Familie aufzubringen.
Experten fordern daher eindringlich eine umfassende Modernisierung der Wissenschaftskultur hin zu an Work-Life-Balance orientierten Grundsätzen, die weit über vereinzelte Maßnahmen hinaus gehen muss. Die Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten ist dabei nur ein Aspekt. Hochschulen müssen Vereinbarkeit als strategische Aufgabe begreifen und nachhaltig verankern.

Prof. Dr. Hans Bertram, Mikrosoziologe an der Humboldt-Universität Berlin und Vorsitzender der 7. Familienberichtskommission des Deutschen Bundestages, rief dazu auf "endlich akzeptieren, dass es zwischen der Arbeitswelt und privaten Verpflichtungen – das gilt übrigens neben Kindern auch für die Betreuung älterer und kranker Angehöriger – strukturelle Widersprüche gibt, die wir gesamtgesellschaftlich lösen müssen." Und er fügt hinzu: "Bisher haben wir alles, was mit Betreuung von Angehörigen zu tun hat, in unserer Gesellschaft ausgelagert auf die Frauen."

Download der Broschüre als PDF-Datei.

Quelle: Pressemitteilung (138/2010) des BMBF